Wie ich meine Träume in Deutschland verwirkliche

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
Share on pinterest

Als ich nach Deutschland gekommen bin, gab es keine Freunde, keine Bekanntschaften, keine Netzwerke. Ich war orientierungslos in jeder Hinsicht. Ich konnte mich weder richtig in der Stadt orientieren, noch konnte ich mich richtig in der Gesellschaft orientieren. Außerdem war es sehr schwierig für mich, mich auf die Menschen einzustellen. Besonders auf die Deutschen. Was sollte ich mit ihnen sprechen, und worüber musste ich erzählen, dass ich richtig zu ihnen passen konnte? Jeden Tag mit vollem Stress.

Suche nach Kontakten

Auf der anderen Seite mochte ich unbedingt mit jemandem sprechen. Aber es gab keine Personen  – weder Migranten aus der Mongolei noch Deutsche, Einheimische, mit denen ich reden konnte. Sie waren alle so beschäftigt mit etwas, mit etwas sehr Wichtigem. Ich habe nichts Wichtiges getan, ich hatte Zeit, aber alle anderen hatten gar keine Zeit für mich.

Panik am Telefon

Eines Tages habe ich eine Telefonnummer von einer mongolischen Frau bekommen, die in München wohnt. Und den Zettel, auf dem die Telefonnummer stand, habe ich ein paar Tage mit mir herumgetragen und einmal habe ich versucht, sie zu erreichen. Statt der Stimme der Frau habe ich eine männliche Stimme gehört. Ich bekam sofort Panik und das Telefongespräch wurde sehr schnell beendet.

Die Nachbarn

Alle waren weg, irgendwo weg. Aber meine Nachbarn waren da, sie sind immer noch da. Aber sie haben wenige Bemerkungen mir gegenüber gemacht, dass ich mit ihnen sprechen darf oder etwas fragen darf. Es gab ein paar meiner Nachbarn, die sich mehr Zeit genommen haben, mit mir zu sprechen. Eine Nachbarsfrau war sehr nett, aber sie hat sich über alles beschwert. Besonders über das Wetter. Für mich war das Wetter in Deutschland kein Thema, worüber ich mich beschweren wollte. Ich komme schließlich aus der kältesten Hauptstadt der Welt! Mein anderer Nachbar war sehr nett aber… Wenn ich zum Beispiel damals gesagt hätte, dass ich jeden Tag viel Deutsch lerne, hätte sie gesagt „Ja, ja, Migranten müssen sehr gut Deutsch lernen“. Sie wollte nichts Böses sagen, aber wenn man jeden Tag sehr fleißig Deutsch lernt, dann hört man so eine Antwort. Damit entsteht noch mehr Druck und noch mehr Stress hinsichtlich der Frage, wie ich hier zu Deutschland passe. Aber ja, zum Glück ist dieses Beispiel von 2013. Ich bin schon vier Jahre in Deutschland.

Der Weg zum Traum

Jetzt möchte ich erklären, wie man seine Träume in Deutschland verwirklicht. Mann muss vier Dinge verlernen und ein wichtiges Ding erlernen. Als erstes kommt das Aufhören mit Jammern. Man muss aufhören mit dem Jammern und Beschweren. Besonders wir, die Migranten und Menschen mit Fluchterfahrungen, brauchen viel mehr Energie jeden Tag, damit wir erfolgreich Deutsch lernen und uns erfolgreich in die Gesellschaft integrieren. Wenn wir jammern, haben wir keine Zeit für einen Plan für morgen. Wenn viele „Morgen“ vorbei sind, wird eines Tages schon ein Jahr vorbei sein.

Zweitens muss man aufhören mit dem Vergleichen. „Ich habe ein Wohnheim mit vielen Menschen“, „ich habe eine kleine Wohnung“, „ich habe sehr schlechte Nachbarn in meinem Nebenzimmer“, oder „ich habe eine sehr schlechte Deutschlehrerin“ etc.. Es ist immer so, dass ich immer das Schlechte habe oder bekomme oder mir alles Schlechte zugewiesen wurde. Dieses Vergleichen macht die Menschen blind, ihre Möglichkeiten und Chancen zu sehen und zu ergreifen.

Drittens kommt die andere Gewohnheit des Konkurrierens. Im Wettbewerb zu sein ist immer gut, wurde mir von meinen Eltern gesagt und ich bin so erzogen, dass ich mit den anderen konkurrieren musste. Aber es hilft uns nicht besonders, wenn wir uns entwickeln möchten. Jeder Mensch ist anders und unser Leben ist einzigartig mit verschiedenen Sachen. Wenn wir konkurrieren, vergessen wir unsere Besonderheit, die wir sehr benötigen, wenn wir hier unser neues Heimatland „bunt“ und „vielfältig“ machen möchten.

Viertens müssen wir mit dem Kritisieren aufhören. Wir können nicht auf einmal das System oder das Management, oder das Verhalten des Vorgesetzten ändern. Das heißt, wenn wir diesen Zustand ständig kritisieren, dann haben wir keine Zeit, uns auf die wichtigen Dingen zu konzentrieren. Und zeitgleich können wir mit den anderen eine gesellschaftliche Aufklärungsarbeit anfangen, so dass wir das ganze System ändern können. Aber als einzelne Personen können wir das System, den Status quo nicht ändern. Und die Zeit geht verloren mit dem Kampf, den wir allein nicht gewinnen. Wir sollten aufhören, mit den vier Dingen: Jammern, Vegleichen, Konkurrieren, und Kritisieren.

Dann öffnen sich mehr Türen

Aber wir sollten proaktiv sein. Das heißt: Initiative ergreifen. Seien Sie besser: Finden Sie die Lösung der Dinge, nicht die Hindernisse der Dinge. Überlegen Sie, was die Lösungen und Wege sind, über die wir die heutigen schlechten Situationen ändern können. Wenn Sie einen beruflichen Traum haben, recherchieren Sie und verwenden Sie auf diese Thematik mehr Zeit und Energie. Dann öffnen sich mehr Türen, Möglichkeiten und Sie treffen Menschen, die Ihnen helfen oder Sie unterstützen auf Ihrem Weg zur Verwirklichung Ihrer Träume. Gute und spannende Reise.

Raphael Müller-Hotop

Ich heiße Raphael Müller-Hotop, bin Psychologe und war von Oktober 2014 bis August 2019 stellvertretender Vorstandsvorsitzender des NeuLand e.V.. Es begeistert mich jedes Mal aufs Neue das Engagement der AutorInnen und Ehrenamtlichen mitzuerleben und gemeinsam mit so vielen Menschen aus verschiedenen Kulturen dieses verbindende Projekt mitzugestalten. Was mir an NeuLand außerdem besonders gefällt ist der Austausch mit den AutorInnen und unser Ziel, durch die Vermittlung eines breiten Spektrums an Perspektiven Verstehen, Kennenlernen und Dialog zu fördern.