Was für ein Hundeleben!

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Wie ich den besten Freund der Deutschen kennen und lieben lernte

Ich ging am See spazieren und dort war eine Frau die ständig sagte: „Komm, mein Hübscher!“ und „Du bist super!“ oder „Gib Pfote!“. Ich habe zuerst gedacht, dass sie mit mir redet und wollte zu ihr gehen, aber dann sah ich, dass sie mit ihrem Hund geredet hat. Er gab ihr gerade die Pfote. Bei uns in Syrien wird man für verrückt gehalten, wenn man mit einem Tier redet. Als ich wieder zuhause ankam, erzählte ich sofort meinen Freunden von dieser Geschichte. Sie sagten, dass die Hunde hier vielleicht die deutsche Sprache verstehen. Als ich zusammen mit einem Freund das erste Mal in meiner neuen Wohnung war, kam der Hund meiner Vermieterin herein. Mein Freund sprang vor Angst sofort auf dem Tisch und ich sprang schnell auf die Couch. Wir sagten immer nur „Bitte, bitte geh weg!“ zu dem Hund. Dann kam meine Vermieterin und sie rief Rosi, den Hund, zurück. Sie lachte laut, als sie uns sah und sagte zu uns: „Schämt euch! Zwei erwachsene Männer, die Angst vor einem Hund haben.“

Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Auch Hunde haben Gefühle. Auf meinem Nachhauseweg kam mir der Hund meiner Helferin Camilla entgegen. Er wirkte sehr traurig und einsam. Ich habe ihn mit zu meiner Wohnung genommen und sagte zu ihm: „Du bist mein Gast und bekommst von mir etwas zu fressen.“, aber er hatte kein Interesse und sah mich nur erwartungsvoll mit seinen großen Hundeaugen an. Ich fragte ihn: „Was willst Du?“ und seine Nase wanderte Richtung Rosi, die Hündin meiner Vermieterin. Ich habe Camilla angerufen, die mir aufgeregt erzählte, dass ihr Hund den ganzen Tag jault, weil seine Sehnsucht nach Rosi so groß ist. Und es war ihm wieder einmal, wie schon so oft, gelungen, zu entwischen.

In Syrien bin ich auch oft auf der Straße gestanden, um meine Freundin zu sehen, denn auch ich durfte sie nicht treffen, weil der Vater es nicht erlaubte. So warf ich ihr heimlich eine Rose zu, wenn ich sie auf dem Balkon entdeckte. Hier konnte ich dazu beitragen, dass sich die beiden Hunde sehen konnten. Ich habe ihr Glück mit einem Foto festgehalten. Er ist mutiger als ich, denn er hat sein Ziel erreicht und ich habe von ihm gelernt, nicht aufzugeben, sondern zu kämpfen.

Vor einiger Zeit war ich bei einer deutschen Familie in Osnabrück zu Besuch. Sie haben eine schwarze Katze und zuerst hatte ich Angst vor ihr. Bei uns sagt man, dass schwarze Katzen Geister sind. Ich habe die Katze mit zitternden Händen gestreichelt, aber sie war ganz lieb. Sie hatte schöne gelbe Augen. Nachdem ich sie das erste Mal gestreichelt hatte, kam sie immer wieder zu mir. Sie bekam nicht genug vom Streicheln und schnurrte dann ganz laut.

Foto: Camilla Magis

Wenn ich mit der deutschen Familie ferngesehen habe, kam die Katze immer zu mir, sprang auf meine Brust und machte es sich bequem. Bei meinem nächsten Besuch hatte die Katze Babys bekommen. Es waren vier Stück. Sie war sehr zärtlich mit ihren Babys und passte gut auf sie auf. Ich habe sie immer mit ihren Babys beobachtet und dabei viele schöne Fotos gemacht, sodass mein Handy schnell voll war. Als die Kätzchen fünf Wochen alt waren, kam auch noch ein kleiner Hundewelpe dazu. Ich habe ihm den Namen Balou gegeben. Er war ein sehr neugieriger Welpe, und ich war auch sehr neugierig darauf, wie so ein Welpe so ist. Ich beobachtete nun jeden Tag Balou und die Katze. Jeden Tag brachte die Katze für Balou eine Maus mit ins Haus. Mal eine Lebendige, aber auch mal eine Tote. Ich habe zu der Katze gesagt: „Milli, ich bin auch ein Gast, warum bringst du mir nie einen Fisch?“ Am Anfang war Balou noch nicht stubenrein, was ich nicht so toll fand. Also übte ich fleißig mit der Familie zusammen, dass er seine Geschäfte draußen machte. Wir sind mit Balou sowieso sehr viel draußen unterwegs gewesen. Entweder gingen wir mit ihm zu einem großen Teich, in dem er schwimmen konnte, oder wir gingen zusammen mit ihm Fußball spielen. Balou und ich sind gute Freunde geworden. Ich habe zwischendurch auch versucht, ihm Kommandos auf Arabisch beizubringen. Einmal regnete es stark, sodass Balou und ich sehr nass zuhause ankamen. Ich habe erst Balou und danach mich trockengeföhnt. Danach haben wir beide auf der Couch eine Runde geschlafen. So, wie gute Freunde es tun.

Raphael Müller-Hotop

Ich heiße Raphael Müller-Hotop, bin Psychologe und war von Oktober 2014 bis August 2019 stellvertretender Vorstandsvorsitzender des NeuLand e.V.. Es begeistert mich jedes Mal aufs Neue das Engagement der AutorInnen und Ehrenamtlichen mitzuerleben und gemeinsam mit so vielen Menschen aus verschiedenen Kulturen dieses verbindende Projekt mitzugestalten. Was mir an NeuLand außerdem besonders gefällt ist der Austausch mit den AutorInnen und unser Ziel, durch die Vermittlung eines breiten Spektrums an Perspektiven Verstehen, Kennenlernen und Dialog zu fördern.