Unsere Gesellschaft braucht eine neue Kommunikationskultur!

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„Die Probleme sind nicht das Problem, sondern die Kommunikation“

Durch Globalisierung der Wirtschaft, Politik, Völkerwanderung und Flucht hat sich die Welt schon lange interkulturell entwickelt. In Deutschland leben auch viele Menschen aus anderen Ländern und Kulturkreisen, die jeden Tag miteinander auf unterschiedlichen Ebenen kommunizieren. Dadurch entstehen gute Erfahrungen, aber auch Missverständnisse und Konflikte. Doch natürlich gibt es überall Menschen, die aufgrund ihrer Erziehung, Erfahrungen und Unkenntnissen Vorurteile haben, die deren Denken und Verhalten beeinflussen, deswegen entstehen auch unterschiedliche Meinungen, die sich manchmal in rassistische Richtungen entwickeln. Um dies zu vermeiden, brauchen wir eine neue Kommunikationskultur des Umdenkens, in dem die interkulturelle Vielfalt als eine Bereicherung zur Menschlichkeit betrachtet wird.

Was ist überhaupt Kultur?

Kultur ist, wo man gerade ist, wir alle sind Kultur, was wir machen, ist Kultur. Konflikte sind auch Kultur, wenn wir respektvoll streiten, ohne Angst.

Was bedeutet eine neue Kultur der Kommunikation?

Jeder Mensch hat seine Geschichte, die einmalig ist, deshalb macht jede solcher Geschichten auch einen einzigartigen Menschen, der nur einmal auf der Welt existiert. Jeder Mensch wächst in einem vertrauten Rahmen, der ihm Sicherheit und Geborgenheit gibt. Alles, was jeder von uns benötigt, ist dieser Raum. Sobald ein Mensch diesen Raum aus irgendeinem Grund verlassen muss, fühlt er sich unsicher. Genau das geschieht, wenn ein Mensch fliehen muss.

Kein Mensch möchte freiwillig seine sichere Umgebung verlassen, um sich in eine unsichere Situation zu be- geben. Aber sobald er sich auf der Flucht befindet, beginnen sich in seinem Kopf unsichere Gefühle und Angst davor zu entwickeln, was aus ihm wird. Aber seine Hoffnung auf eine bessere Zukunft motiviert ihn diese Gefahren in Kauf zu nehmen. Einige Menschen überleben leider solch eine Flucht nicht; damit zahlen sie mit ihrem Leben, weil sie ein besseres Leben suchen, das sie – wie jeder von uns- verdient hätten. Sobald man einen sicheren Boden erreicht hat, wachsen die Hoffnungen auf ein besseres Leben.

Angst und Vorurteile

Einige Menschen hierzulande können so eine Flucht und deren psychische Folgen nicht nachvollziehen und haben unbegründete Angst vor allen fremden Menschen und deren Kulturen, obwohl sie keine persönlichen Erfahrungen mit jedem Einzelnen gemacht haben, aber sie haben trotzdem einige Vorurteile gegenüber jedem dieser Menschen, die aus bestimmten Kulturkreisen kommen. Solche Vorurteile entstehen oft aus Gedankenmustern, welche wir in der Familie von unseren Bezugspersonen und in unserem Umfeld bekommen haben, ohne zu hinterfragen, warum wir so denken. 

Bis das Leben uns lehrt, dass wir Mut haben sollten, um dieses Gedankenmuster zu brechen, damit wir etwas Neues erfahren können. Wenn die Menschen es schaffen, ohne Vorurteile zu kommunizieren, dann haben sie den großen Schritt in Richtung einer neuen Kommunikationskultur getan, die auf respektvoller Kommunikation auf Augenhöhe basiert. 

Auf der anderen Seite haben viele Geflüchtete auch Angst und Vorurteile. Sie haben Angst, weil sie in ihrer Heimat fast alles verloren haben, und sie wissen nicht, welches Schicksal auf sie wartet. Sie haben Vorurteile, weil sie die hiesigen Menschen und deren Kultur nicht kennen.

Jede Begegnung ist einmalig und individuell

Wenn beide Seiten – anstatt Angst und Vorurteile- mit Respekt auf gleicher Augenhöhe kommunizieren, dann entsteht etwas Neues, eine sogenannte „dritte Kultur“, die ich eine „neue, individuelle Kommunika- tionskultur nenne, welche jeder von uns ganz einfach umsetzen und von welcher jeder einzelne im Dialog profitieren kann. Denn jede Begeg- nung ist einmalig und individuell. Jeder von uns hat großen Einfluss auf sie und kann entscheiden, ob diese Begegnungen in einer positiven oder respektvollen Atmosphäre stattfinden.
Das heißt, bewusst zu kommunizieren, ohne die anderen Menschen zu bewerten. Wir setzen damit ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber dem anderen, mit dem wir gerade sprechen. Nur so kann jeder Mensch sich in seiner Haut wohl fühlen, unabhängig davon, welche Herkunft, Hautfarbe, Nationalität, Religion und sexuelle Orientierung er hat. Zum Glück haben wir in Deutschland das Grundgesetz, in dem unsere Rechte und Pflichten festgelegt sind; was uns allen Sicherheit bietet.
So ein Grundgesetz gibt es leider nicht überall auf der Welt; besonders nicht in den Ländern, aus denen die Menschen fliehen müssen. Es ist ebenfalls nicht selbstverständlich, dass wir es haben. Wir sollten es wertschätzen und als Grundlage unserer Kommunikationskultur in Betracht ziehen.

Mehr voneinander wissen und verstehen

Sobald geflüchtete Menschen hier angekommen sind, sollten sie über das Grundgesetz unterrichtet werden, damit sie so schnell wie möglich verstehen, wie das Leben, die Gewalten(teilung) und die Strukturen unserer Gesellschaft organisiert sind. Wenn sie gut unterrichtet werden, dann können sie sich besser und schneller in das neue Land integrieren. Da die Integration keine Einbahnstraße ist, sollten auch die Einhei- mischen den Einblick in andere Kulturkreise erhalten, damit beide Seiten mehr voneinander wissen, bevor sie in Kontakt kommen. Wenn jeder von uns sich bemüht, die anderen zu verstehen, dann können wir reibungslos und entspannter miteinander kommunizieren.

Als ich nach Deutschland kam, war vieles für mich neu, aber ich war immer neugierig auf alles, was mir fremd erschien; die Sprache, die Kultur, die Menschen, die politischen und gesellschaftlichen Strukturen. Ich bin unheimlich dankbar dafür, dass ich meine zweite Chance des Lebens hier bekommen habe. Obwohl ich viel aus meinen Erfahrungen gelernt habe, bin ich immer noch hungrig danach, etwas Neues zu lernen, deshalb kommuniziere ich gerne weiter. Wir sollten alle kommunizieren, anstatt nur zu interpretieren.

Taha Karem beschäftigt sich seit vielen Jahren mit interkultureller Kommunikation, hat zu dem Thema u.a. ein Theaterstück entwickelt und aufgeführt. Darüber schreibt er in der nächsten Ausgabe.

Raphael Müller-Hotop

Ich heiße Raphael Müller-Hotop, bin Psychologe und war von Oktober 2014 bis August 2019 stellvertretender Vorstandsvorsitzender des NeuLand e.V.. Es begeistert mich jedes Mal aufs Neue das Engagement der AutorInnen und Ehrenamtlichen mitzuerleben und gemeinsam mit so vielen Menschen aus verschiedenen Kulturen dieses verbindende Projekt mitzugestalten. Was mir an NeuLand außerdem besonders gefällt ist der Austausch mit den AutorInnen und unser Ziel, durch die Vermittlung eines breiten Spektrums an Perspektiven Verstehen, Kennenlernen und Dialog zu fördern.