Lesung der NeuLand-Zeitung e.V. vom 17.11.2023

Die Lesung des Neuland e.V. war ein anregender Abend, der durch die Vielseitigkeit seiner Themen mit gleichzeitigem Fokus auf das Motto der aktuellen Ausgabe der Neuland-Zeitung ‘Identität’ wohl noch lange einen gut beleuchteten Platz in unserem Gedächtnis einnehmen wird.

Gestartet ist er mit dem Kernthema Schulverbot für Mädchen und Verlust der Freiheit nach Ankunft der Taliban in Afghanistan, welches mit lyrischer Sprache verarbeitet worden ist. Dabei wurde durch die Autorin des Artikels, Samira Sultani, dieser auf Afghanisch und abwechselnd abschnittsweise Übersetzung durch Gisela Framheim auf Deutsch vorgetragen, wodurch auch die klangliche Schönheit der Muttersprache von Sultani in den Vordergrund rückte.

 

» Jeder Vortrag wurde durch die vielseitige musikalische Begleitung am Klavier von Aylin Aykan eingerahmt. «

Ayşe Sökülmez und Yeşim Buldun aus der Türkei machten mit “Meine Freundin Güllü oder Rosa” (Übersetzung von Hülya Engin) mit ebenfalls schöner, bildhafter Sprache weiter. Reflexion und Erinnerung von Einsamkeit, die durch Freundschaft durchbrochen wird sowie durch das Teilen von Freud und Leid waren hier Thema. Wir freuen uns, dass Ayşe Sökülmez sich aktuell ihren Lebenstraum eines Studiums an der LMU erfüllt.

 

Eine außergewöhnlich spannende Debatte folgte auf Natalie Sharps Beitrag “Südafrika und Europa: ein Leben zwischen zwei Welten”, in der es darum ging, auf welche verschiedene Weisen man mit den politischen Problemen im Heimatland umgehen kann – und wann man sich mit gutem Grund zum Gehen entscheidet. Korruption und die Townships in Südafrika wurden in der Diskussion angesprochen und auch in Gesprächen während der folgenden Pause hat sich als eine Perspektive auf das Thema herauskristallisiert, welche Begrenzungen das Individuum beim Erreichen systemischen Wandels hat – und welcher Wandel ‘von oben’ kommen sollte. Ein komplexes, ja ein Henne-Ei-Problem ist es wohl in diesem Fall. Mit dem sprachlichen Bild einer multi-ethnischen Fantasiefigur in einer U-Bahn-Station, ohne jegliche Vergangenheit und nur mit Blick in die Zukunft, regte Vasyl Knihnitskyi aus der Ukraine die Reflexion über die Bedeutung unserer eigenen Identität weiter an und zeigte dabei auch einige seiner inspirierenden künstlerischen Bilder. Zum Abschluss trug Taha Karem seinen Artikel “Wer eigene Wurzeln pflegt, kann auch neue Wurzeln schlagen!” vor. Tahas Wertschätzung für Demokratie und Presse- und Meinungsfreiheit in Deutschland ist hier auch durch die Anschlussdiskussion besonders greifbar geworden.

Jeder Vortrag wurde durch die vielseitige musikalische Begleitung am Klavier von Aylin Aykan eingerahmt. Besonders beeindruckt bei Ihrer herausragenden Performance von Stücken aus den verschiedensten Ländern hat die Abschlussperformance eines Tanzlieds, einer Mischung aus Eigenkomposition und inspirierten Elementen eines bestehenden Stücks, wobei sie den Korpus des Klaviers durch Zupfen der Klaviersaiten und Klopfen auf dem Holz als ungewöhnliche Elemente mit einbezogen hat.

Moderiert wurde der Abend von Gudrun Hackenberg, Vorstandsvorsitzende des “Neuland e.V.” und von Kayode Salau, Vorstand des “Chapter Munich” der “Society of International Development”, die beide mit ihrer herzlichen Art und einigen kernigen Fragen den Abend zu etwas ganz Besonderem machten. (Diana Beyerlein)

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Raphael Müller-Hotop

Ich heiße Raphael Müller-Hotop, bin Psychologe und war von Oktober 2014 bis August 2019 stellvertretender Vorstandsvorsitzender des NeuLand e.V.. Es begeistert mich jedes Mal aufs Neue das Engagement der AutorInnen und Ehrenamtlichen mitzuerleben und gemeinsam mit so vielen Menschen aus verschiedenen Kulturen dieses verbindende Projekt mitzugestalten. Was mir an NeuLand außerdem besonders gefällt ist der Austausch mit den AutorInnen und unser Ziel, durch die Vermittlung eines breiten Spektrums an Perspektiven Verstehen, Kennenlernen und Dialog zu fördern.