Lesung der NeuLand-Zeitung am 23. Juli 2026 im „KontaktTee“ in München

von links nach rechts: Taha Karem Saadat Amiri-Sharistani Samh Yousef Diana Beyerlein Gudrun Hackenberg

Die NeuLand-Zeitung motiviert Menschen mit Migrationsgeschichte über sich selbst und ihre Erfahrungen zu schreiben. Die Ausgabe 19 widmet sich dem Thema „Wachsen“. Dabei geht es nicht nur um ein „höher, schneller,weiter“, sondern manchmal auch um ein Innehalten, um sich wieder den eigenen Wurzeln zu nähern.

In der Sommerlesung 2026 haben zwei Autoren einen Teil ihrer Geschichte vorgelesen.
 

Sadaat Amiri zeigte uns in seiner Geschichte, wie er sich innerhalb von zehn Jahren in Deutschland entwickelt hat. Er hat auch eine Ausbildung absolviert. Bevor er nach Deutschland kam, hatte er kein leichtes Leben in Afghanistan und im Iran. Seiner Ansicht nach gibt es aber immer eine Möglichkeit, aktiv die Situation für sich selbst oder für andere zu verbessern. Er berichtete auch davon, dass er für eine Organisation tätig ist, die Lehrerinnen in Afghanistan unterstützt. Wie haben alle, so Sadaat, eine gemeinsame Zukunft zu gestalten, auch wenn wir aus unterschiedlichen Ländern kommen.

Der Autor Samh Yousef erzählte uns, wie er sich hier, trotz aller Schwierigkeiten auf seinem Weg weiterentwickeln konnte. Vor allem, wenn er ganz unten war, so berichtete er, war das oft nur der Beginn eines neuen persönlichen Aufschwungs. Da dürfe man nicht aufhören, an sich zu glauben. Er hat es geschafft, an der LMU zu studieren. Inzwischen ist er Deutschlehrer. Samh ist sehr humorvoll und musikalisch begabt. In seiner Heimat hat er heimlich in kleinen Bars gesungen, weil es für Männer nicht angesehen war, in der Öffentlichkeit zu singen. Mit seiner Musik und mit seinem Gesang und seinem Humor hat er uns den Abend verschönert. Er ist für uns alle auch ein gutes Vorbild einer gelungenen Vielfalt in München.

Die Lesung wurde bewusst in der Teestube „KontakTee“ organisiert. Wir wollten zwei wichtige Themen unserer Gesellschaft zusammenbringen, nämlich die Themen Inklusion und Diversität. Die Teestube, in der es abends auch etwas zu essen gibt, ist eine niedrigschwellige (kulturelle) Begegnungsstätte für Menschen in schwierigen Lebenslagen (www.kontaktee-kid.de). Von denen, die zuhörten, hatten viele einen höheren Grad der Behinderung. Sie haben durch diese Lesung aus erster Hand erfahren, wie schwer das Leben der Autoren war, aber sie haben trotzdem nicht aufgegeben und es geschafft, sich in Deutschland ein neues Leben aufzubauen.

Diese Geschichten zeigen ihnen und uns allen, dass das Leben unterschiedlich schwer sein kann und mit welcher Haltung man mit diesen Schwierigkeiten umgehen kann. Auch wenn Menschen mit Migrationsgeschichte einerseits und Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen auf der anderen Seite unterschiedliche Wege der Teilhabe beschreiten, vereint sie das Gefühl, sich den Zugang zu voller gesellschaftlicher Akzeptanz erst erarbeiten zu müssen.

Taha Karem

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Raphael Müller-Hotop

Ich heiße Raphael Müller-Hotop, bin Psychologe und war von Oktober 2014 bis August 2019 stellvertretender Vorstandsvorsitzender des NeuLand e.V.. Es begeistert mich jedes Mal aufs Neue das Engagement der AutorInnen und Ehrenamtlichen mitzuerleben und gemeinsam mit so vielen Menschen aus verschiedenen Kulturen dieses verbindende Projekt mitzugestalten. Was mir an NeuLand außerdem besonders gefällt ist der Austausch mit den AutorInnen und unser Ziel, durch die Vermittlung eines breiten Spektrums an Perspektiven Verstehen, Kennenlernen und Dialog zu fördern.