Leidende Flüchtlinge im Land der Hoffnungen

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In dem Moment, in dem syrische Flüchtlinge ihren Fuß in das Land der Hoffnung – Deutschland – setzen, denken sie, dass Ihr Leid und ihr Kummer vorbei sind und neue Hoffnung blühen würde. Als Ersatz für alles, was sie verloren haben durch den Bürgerkrieg oder durch die Sorgen, die Nachbarstaaten verursacht haben.

Der Schock beginnt ein paar Tage nach dem Ankommen, wahrscheinlich beim Anblick der  Ankunftszentren, überfüllt mit Flüchtlingen.

So viele verschiedene Nationalitäten zusammen in einem Lager führen zwangsläufig zu Auseinandersetzungen. Nicht ein Tag vergeht ohne Streitereien – hauptsächlich wegen der Anspannung der verzweifelten Flüchtlinge, die auf ihr Schicksal warten.

Obwohl  ein Dach über dem Kopf ein Grundbedürfnis stillt, sind da noch mehr Grundbedürfnisse, die befriedigt werden sollten.  Die Realität zeigt einen ungenügenden Weg; Essen, das manchmal kaum essbar genannt werden kann, oder die Frustration, wenn man zum Arzt gehen will und nicht fähig ist, ihm zu erklären, was man fühlt oder was die Symptome sind. Man würde sagen: „Geh in einen Sprachkurs!“, aber selbst das ist problematisch, weil die Warteschlangen in jedem Spracheninstitut unendlich lang sind.

Noch schlimmer ist, dass Deutsch  eine sehr schwere Sprache ist und man deshalb mehr Zeit braucht, um es fließend zu sprechen. Das führt zu Schwierigkeiten, einen Job zu finden, was am Ende den Staat belastet, weil die Flüchtlinge eine lange Zeit auf Sozialhilfe angewiesen sind.

All das kommt von dem Flüchtlingsstau, der allgemeine Normalität in ganz Deutschland ist.

Noch schlimmer ist  das lange Warten auf einen Interview-Termin (für das Asylverfahren). Manche Flüchtlinge warten mehr als sechs Monate, nur für einen Termin für das erste Vorsprechen.

Daneben gibt  es eine lange Liste von „vergessenen“ Leuten – wie mich.  Dies sind die Asylsuchenden, die ihr erstes Asylgespräch vor sechs Monaten oder sogar mehr als einem Jahr hatten, und auf das zweite Interview beim BAMF warten.

Das bedeutet, die „Vergessenen“ waren auf deutschem Boden, bevor die große Flüchtlingswelle in den letzten Monaten kam und ihre Fälle vergessen wurden.

Die Erklärung in meinem Fall ist ein Behördenfehler. Als ich meinen Ausweis nach sechs Monaten beim Bundesamt  zeigte, hieß es, ich würde in der Liste der Flüchtlinge nicht existieren. So musste ich das ganze Asylverfahren noch einmal von vorne beginnen. Dieser „Fehler“ kostete mich sechs Monate meines Lebens. Sechs Monate warten, Sechs Monate nichts tun, sechs Monate Enttäuschung.

Wenn du Familie in Gefahr – im Zentrum des Kriegsgebietes – hast, erkläre ihnen „Behördenfehler“!

Raphael Müller-Hotop

Ich heiße Raphael Müller-Hotop, bin Psychologe und war von Oktober 2014 bis August 2019 stellvertretender Vorstandsvorsitzender des NeuLand e.V.. Es begeistert mich jedes Mal aufs Neue das Engagement der AutorInnen und Ehrenamtlichen mitzuerleben und gemeinsam mit so vielen Menschen aus verschiedenen Kulturen dieses verbindende Projekt mitzugestalten. Was mir an NeuLand außerdem besonders gefällt ist der Austausch mit den AutorInnen und unser Ziel, durch die Vermittlung eines breiten Spektrums an Perspektiven Verstehen, Kennenlernen und Dialog zu fördern.