Kunst kommt nach Deutschland: I am listening where the wind blows

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Ich bin 1965 in Hongkong geboren und kam 1989 mit meinem damaligen Freund nach München, weil er als politischer Demonstrant in China Probleme bekam. Wir hatten in Guan Zhan Kunst studiert, ich klassische Bildhauerei, er Malerei. Die Anfänge in Deutschland waren hart, wir kannten niemanden, sprachen kein Deutsch, hatten keine übersetzten Zeugnisse und mussten uns wie Sklaven in Restaurants durcharbeiten.

Der Bauer, 48 x 14 cm, Holz, Pigment, 2011

1990 gelang mir die Aufnahme an der Kunstakademie in München. Erst begann ich mit Papierskulpturen und entwickelte bald meine Arbeit mit Drahtskulpturen, die ich heute noch herstelle. Sie heißen „Intention“ und sind kompakte Emotionalität und Energie. Teilweise arbeite ich sieben Monate an ihnen, wickle stundenlang meditativ Draht, lasse mich dabei intuitiv und ohne Ziel führen, fühle die Spannung und Schwingungen.

1990 wurde ich sehr krank, sodass ich die schwere Arbeit an den Draht-Skulpturen lange nicht mehr machen konnte. So begann ich mit Holz- und Scherenschnitten zum Thema Flucht, Krieg, Vertreibung und den Realitäten meiner Umgebung, die ich aus verschiedenen Informationen aus der ganzen Welt hole – geheimnisvolle Geschichten, Verletzungen und Erinnerungen, von Straßenkindern, alten Menschen, Soldaten, Waisenkindern. Trotz Traurigkeit und Grausamkeit der Inhalte bringe ich Ästhetik und Schönheit in meine Arbeiten und gebe den abgebildeten Personen so Würde und Liebe.

Warten, 2013, 138x155mm, Holzschnitt

Der französische Schriftsteller Jean Genet (1910 –1986) schrieb über die Skulpturen Giacomettis: „Der Ursprung der Schönheit liegt im Schmerz. Jeder Mensch trägt unterschiedlichste Schmerzen und Verletzungen in sich, sichtbare und unsichtbare, die ein jeder in seinem Herzen bewahrt. Wenn er Abstand zur Welt gewinnen und Einsamkeit fühlen will, zieht er sich in seine Schmerzen zurück. Mit seiner Arbeit offenbart er Verletzungen mittels der Kunst und bringt sie zum Leuchten. Einsamkeit ist kein Grund zur Traurigkeit, sondern eine ungeheure Kraft, tief und unverwechselbar, unvereinbar, kommunizierbar, eine perfekte, eigene Energie.“Neben meiner Arbeit mit Skulpturen, Holz- und Scherenschnitten gebe ich in meinem Atelier Kurse für Chinesische Kalligraphie und Bildhauerei. Momentan bereite ich meine Teilnahme an der Biennale in Shen Zhen vor.

Demonstration, 12 x 13 cm, Holz, Pigment, 2011

Autorin und Künstlerin: Hauchun Kwong, China

Raphael Müller-Hotop

Ich heiße Raphael Müller-Hotop, bin Psychologe und war von Oktober 2014 bis August 2019 stellvertretender Vorstandsvorsitzender des NeuLand e.V.. Es begeistert mich jedes Mal aufs Neue das Engagement der AutorInnen und Ehrenamtlichen mitzuerleben und gemeinsam mit so vielen Menschen aus verschiedenen Kulturen dieses verbindende Projekt mitzugestalten. Was mir an NeuLand außerdem besonders gefällt ist der Austausch mit den AutorInnen und unser Ziel, durch die Vermittlung eines breiten Spektrums an Perspektiven Verstehen, Kennenlernen und Dialog zu fördern.