Die Schönheit der Demokratie

Meine Erfahrungen in Deutschland verglichen mit der Wahl in meinem Heimatland

In den rund vier Jahren, die ich hier in Deutschland lebe, habe ich viele Erfahrungen gemacht, die mein Wissen darüber, wie ein Staat wirklich funktioniert, neu geformt haben. Im Laufe der Zeit habe ich, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, die Schönheit der Demokratie zu schätzen gelernt.

Demokratie, so heißt es in einer aktuellen Veröffentlichung der Landeszentrale für politische Bildung, (…) ist eng mit dem Prinzip der Volkssouveränität verbunden: Demokratie ist eine Staatsform, in der die Staatsgewalt vom Volk ausgeht.”

Dieses Konzept des Regierens, in dem die Durchführung regelmäßiger Wahlen ein vorherrschendes Merkmal ist, war jedoch in meiner Heimat immer ein schrecklicher Albtraum. Aber in Deutschland, wie ich bisher gesehen habe, gibt es hier die Schönheit der wahren Demokratie.

Aus dieser Sicht ist die Demokratie in Deutschland frei, fair, transparent und schön.

In meinem Heimatland ist der Aufruf zur Wahl der Beginn von Angst, Qual, Leid, Schmerz und Trübsal. Diese Qual ist verbunden mit Mord, Verstümmelung, Ermordung, Gewalt, Aderlass, Totschlag und, was besonders traurig ist, mit politischer Verfolgung. Außerdem enden Wahlen in vielen Fällen in Stammes-, Ethno- und Religionskonflikten. Und im schlimmsten Fall, wie in einigen Teilen Afrikas, gipfeln sie erwartungsgemäß in einem ausgewachsenen Krieg. Diese schmerzliche Realität ist das Ergebnis eines tief verwurzelten ungerechten und korrupten Wahlsystems.

Die Kommunalwahl im März 2021 in Mörfelden-Walldorf dient als Parameter für eine echte demokratische Gesellschaft genauso wie die Bundestagswahl im September 2021. Aus meiner Nahbeobachtung des Wahlprozesses in Deutschland verkörpert sie den wahren Begriff der Demokratie. Dies ist ein Land, in dem der freie Wille des Volkes ungehindert zum Ausdruck kommt.

Von der Wahlkampfzeit bis zum eigentlichen Wahltag klebte ich buchstäblich täglich an meinem kleinen Radio, dem Fernsehen, der Zeitung, dem Internet und allen Formen von Massenmedien und modernen Kommunikationsmitteln. Persönlich und privat habe ich mir die Zeit genommen, den Wahlprozess hier mit dem zu vergleichen, was ich früher bei jeder Wahl in meinem Heimatland erlebt habe. Aus dieser Sicht ist die Demokratie in Deutschland frei, fair, transparent und schön.

Bei meinem Ausflug in die aktive Politik, damals im Jahr 2014 in Nigeria, als ich mein Parteiticket gewann, war ich sehr erstaunt über die Manipulation des Volkswillens am Sitz der Wahlbehörde. Das System und der Prozess sind so korrupt, dass der Wille des Volkes nicht mehr zählt.

Mit Hilfe von Schlägereien und staatlich geförderten Apparaten werden die Massen und Oppositionskandidaten unterdrückt, eingeschüchtert und verfolgt, weil sie eine andere politische Meinung haben. Kurz gesagt, in meinem Heimatland gibt es nichts, was man als Demokratie bezeichnen könnte. Dort funktionieren die Machthaber und die Regierung wie eine “Ein-Mann-Show”.

Diese starrsinnige Regierung ist intolerant. Und wenn sie von Demokratie sprechen, ist ihr Handeln und das System, das sie betreiben, eine Oligarchie und ein Diktator. Dieses System ist gekennzeichnet durch Vetternwirtschaft, Despotismus und Kakistokratie, die durch systembedingte Korruption und korrupte Verfahren vor und nach den Wahlen angefacht werden. Ein korruptes System, das den Willen des Volkes untergräbt und die Wähler daran hindert, kompetente Führungspersönlichkeiten zu wählen, die in einer modernen Welt des 21. Jahrhunderts, in der die Demokratie die Grundlage für gesellschaftliche Entwicklung und Wachstum ist, die Geschicke einer am Volk orientierten guten Regierungsführung lenken könnten.

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Raphael Müller-Hotop

Ich heiße Raphael Müller-Hotop, bin Psychologe und war von Oktober 2014 bis August 2019 stellvertretender Vorstandsvorsitzender des NeuLand e.V.. Es begeistert mich jedes Mal aufs Neue das Engagement der AutorInnen und Ehrenamtlichen mitzuerleben und gemeinsam mit so vielen Menschen aus verschiedenen Kulturen dieses verbindende Projekt mitzugestalten. Was mir an NeuLand außerdem besonders gefällt ist der Austausch mit den AutorInnen und unser Ziel, durch die Vermittlung eines breiten Spektrums an Perspektiven Verstehen, Kennenlernen und Dialog zu fördern.