Danke C.P.N.!

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Ohne C.P.N. könnte ich eine Bewerbung nicht schaffen.

C.P.N. ist das Clean Projekt Neuhausen am Rotkreuzplatz. Im Frühling 2015 hat die SchlauSchule für mich den Kontakt zu C.P.N. hergestellt, damit ich dort Nachhilfe bekomme. Dort habe ich Frau Weiß getroffen. Sie hat mir sofort Nachhilfe angeboten und gesagt: „Du kannst auch zum Mittagessen kommen, wenn du willst.“  Ich bin dann fast ein Jahr lang jeden Tag dorthin gegangen. Wir waren 60 oder 70 Leute beim Mittagessen, manchmal mehr, manchmal weniger. 2 Frauen haben für uns gekocht, und das war sehr gut. Danach hatten wir in Gruppen 2 Stunden Nachhilfe in Deutsch, Mathe, Geschichte, Erdkunde, Englisch und sogar Latein. Ich hatte nur Deutsch und Geschichte und habe viel gelernt. Die Nachhilfelehrer waren wirklich sehr nett.

Ich hatte damals große Probleme mit meiner Wohnung. Ich wohnte weit weg von München in Nandlstadt und konnte dort nicht für die Schule lernen, weil ich kein Zimmer für mich hatte und immer Unruhe war, und die Leute sogar im Zimmer rauchten.

Das erzählte ich Frau Weiß und sie sagte: „Oh, so weit, da kannst du doch nicht jeden Tag fahren. Und mit 5 Leuten im Zimmer kannst du nicht gut schlafen. Ich suche ein Zimmer in München für dich.“ Leider hat sie keines gefunden, aber ich traf einen Jungen aus Afghanistan, der ein Zimmer in München hatte und einen Mitbewohner suchte. Die Miete kostete 270 Euro, und Frau Weiß gab mir 250 Euro dazu. Also zahlte ich nur 20 Euro von mir. 3 Monate konnte ich dort wohnen, aber dann kamen die Sommerferien, C.P.N. war geschlossen, und ich konnte es alleine nicht zahlen. Dann bin ich zurück in mein altes Zimmer nach Nandlstadt. Aber es war toll in dem ruhigen Zimmer in München!

Im Januar 2016 habe ich mit Frau Weiß über meine Ausbildung geredet, dass ich gerne Chemielaborant werden möchte. Sie hat sofort Adressen besorgt, wo ich mich bewerben kann und hat jemanden organisiert, der mir hilft, die Bewerbungen zu schreiben. In Afghanistan gibt es keine Lehrstellen, es gibt nur Schulen und Universitäten. Und es gibt keine schriftlichen Bewerbungen. Deshalb war es toll, so eine Hilfe für meine 18 Bewerbungen zu haben, die ich nach und nach geschrieben habe. Nach 5 Absagen war ich so traurig, dass ich überlegte, Zahntechniker zu werden. Meine Bewerbungshilfe hat mir auch dabei geholfen, und schon 2 Tage nach meiner Bewerbung hatte ich eine Zusage von einem Zahntechniker. Im April habe ich dort meinen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Das war ein besonderer Tag für meine Zukunft.

Es ist viel passiert im letzten Jahr, und viele Menschen haben mir geholfen, aber Frau Weiß ist ganz besonders: sie ist immer so nett und hilft immer gerne den Ausländern. Sie hat nie gesagt, dass etwas nicht geht und nie etwas negativ gesehen. Und sie hat mit allem geholfen, sogar mit Geld, als mein Arbeitgeber mich 2 Monate lang nicht bezahlt hat.

In Afghanistan bedankt man sich, indem man dem anderen das Gleiche tut, was er getan hat. Ich wünsche Frau Weiß, dass es ihr nie so schlecht geht, dass ich ihr helfen muss. Aber wenn, dann würde ich ihr auch immer helfen.

Danke Frau Weiß!

Raphael Müller-Hotop

Ich heiße Raphael Müller-Hotop, bin Psychologe und war von Oktober 2014 bis August 2019 stellvertretender Vorstandsvorsitzender des NeuLand e.V.. Es begeistert mich jedes Mal aufs Neue das Engagement der AutorInnen und Ehrenamtlichen mitzuerleben und gemeinsam mit so vielen Menschen aus verschiedenen Kulturen dieses verbindende Projekt mitzugestalten. Was mir an NeuLand außerdem besonders gefällt ist der Austausch mit den AutorInnen und unser Ziel, durch die Vermittlung eines breiten Spektrums an Perspektiven Verstehen, Kennenlernen und Dialog zu fördern.