Damaskus

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Rojin Namer, 15, stammt ursprünglich aus dem kurdischen Kamischli in Syrien, sie wuchs jedoch in Damaskus auf. Vor drei Jahren floh sie ohne ihre Eltern nach Deutschland. In ihrem Gedicht Damaskus schreibt sie über ihre Heimatstadt, die ihr heute wie ein verschlossenes Paradies erscheint. 

Illustration: Antje Krüger 

Wie soll ich Damaskus beschreiben? 

Wie soll ich das Paradies beschreiben, denjenigen, die es nicht kennen? 

Das Herz von Syrien. 

Die Seele von mir. 

Die Hoffnung von anderen. 

Das ist Damaskus. 

Wo es Kriege gibt. 

Wo Bomben fallen jeden Tag. 

Wo Leute Angst haben. 

Das ist Damaskus. 

Wovon ich jeden Tag träume. 

Wo ich meine Wurzeln habe. 

Das ist Damaskus. 

 

Wo ich den Schuldigen frage, wer schuld ist daran. 

Wo keine Medizin das Blut stoppt. 

Das ist Damaskus. 

Da, wo überall Touristen hinkamen. 

Da, wo die Straßen zerstört sind. 

Da, wo jetzt Blut fließt. 

Mein Damaskus. 

Ich vermisse deine Straßen. 

Ich vermisse deine Lichter. 

Ich vermisse deine Musik, 

die wir jeden Morgen hören. 

Ich vermisse deine Nächte, 

die warm und voller Leben sind. 

Das ist Damaskus. 

Die Stadt voller Liebe. 

Eine Stadt voller Blut. 

Das Paradies 

wurde zur Schlacht. 

Wo den Leuten die Tränen laufen vor Enttäuschung. 

Vor Angst. 

Und nicht vor Freude. 

Das ist Damaskus. 

Mein Damaskus. 

Ich will dich zurück. 

Zurück zu mir. 

The Poetry Project ist ein mehrsprachiges Dialogprojekt aus Berlin. Junge geflüchtete und hier aufgewachsene Menschen begegnen sich im lyrischen Gespräch und schreiben über das, was uns alle bewegt. Ab dieser Ausgabe wird jeweils ein Gedicht aus dem Projekt in der NeuLand-Zeitung veröffentlicht. Mehr über das Projekt: thepoetryproject.de